IT-Sicherheit
Hackergruppen behaupten Einbruch bei Diagnostikkonzern Abbott
Zusammenfassung
Der US-Medizintechnikkonzern Abbott Laboratories prüft aktuell zwei mutmaßliche Cyberangriffe, die laut Unternehmensangaben nichts miteinander zu tun haben. Tags: #Gesundheitsbranche | #Hackerangriffe aktuell
Im Detail
Der US-Medizintechnikkonzern Abbott Laboratories prüft aktuell zwei mutmaßliche Cyberangriffe, die laut Unternehmensangaben nichts miteinander zu tun haben.
Betroffen sein sollen zum einen interne Systeme der Sparte Cancer Diagnostics, zum anderen das Kundenportal LabCentral. Für Aufsehen sorgt vor allem der erste Fall, da eine bekannte Erpressergruppe mit der Veröffentlichung großer Mengen an Patienten- und Kundendaten droht.
Zugang über Social Engineering
Abbott bestätigte den Vorfall in der Krebsdiagnostik-Sparte am 16. Juli in einer knappen Mitteilung: Unbekannte hätten sich Zugriff auf eine begrenzte Zahl interner Systeme verschafft. Andere Unternehmensbereiche seien nicht betroffen, ebenso wenig die IT-Infrastruktur der ehemaligen Exact-Sciences-Krebsdiagnostiksparte, die technisch getrennt von den eigenen Systemen betrieben werde.
Abbott untersucht derzeit einen Cybervorfall, bei dem es zu einem unbefugten Zugriff auf eine begrenzte Anzahl interner Systeme ausschließlich in unserem Geschäftsbereich Krebsdiagnostik gekommen ist. Dies hat keinerlei Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, unsere Produkte oder deren Verfügbarkeit, die Fertigung oder den Laborbetrieb sowie unsere Fähigkeit, Patienten zu versorgen.
Abbott
Die Cybercrime-Gruppe ShinyHunters, die für spektakuläre Datendiebstähle unter anderem bei Salesforce- und Snowflake-Kunden bekannt wurde, reklamierte den Angriff für sich und listete Abbott auf ihrer Leak-Plattform. Gegenüber dem Fachportal BleepingComputer erklärte die Gruppe, sie habe sich Mitte Juni per Voice-Phishing Zugang zu mehreren Mitarbeiterkonten verschafft.
Über ein derart kompromittiertes Konto für die Single-Sign-on-Lösung Microsoft Entra sei es den Angreifern gelungen, auf verknüpfte Anwendungen zuzugreifen und dort Daten abzuziehen. Ursprünglich sollte eine Veröffentlichung bereits am 18. Juli erfolgen, die Frist wurde inzwischen auf den 21. Juli verlegt, offenbar um Abbott zur Zahlung eines Lösegelds zu bewegen.
Umfang der angeblich erbeuteten Daten
Zu den Datensätzen, die ShinyHunters für sich beansprucht, zählen nach eigenen Angaben unter anderem interne Dokumente, Vertragsunterlagen sowie Vertraulichkeitsvereinbarungen. Auffällig ist vor allem die genannte Menge an Gesundheitsdaten: Die Gruppe spricht von mehr als 22 Millionen dokumentierten Arzt-Patienten-Gesprächen und über 20 Millionen medizinischen Anordnungen.
Zusätzlich sollen Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Anschriften, Geburtsdaten sowie mehr als eine Million Sozialversicherungsnummern in den Daten enthalten sein. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen gibt es bislang nicht, Abbott äußert sich zu Details nicht öffentlich, geht aber nach eigener Einschätzung nicht von wesentlichen finanziellen Folgen aus.
Zweiter, offenbar unabhängiger Fall
Parallel dazu meldete sich eine weitere, bislang weniger bekannte Gruppe namens ShadowByt3$ zu Wort. Sie beansprucht für sich, am 4. Juli über gestohlene Kundenzugangsdaten sowie eine ausgenutzte Schwachstelle Zugriff auf das Portal LabCentral erlangt zu haben, über das Abbott-Kunden technische Unterlagen zu Labordiagnostiksystemen abrufen können.
Erbeutet worden seien unter anderem Herstellungszertifikate, Betriebshandbücher, technische Spezifikationen und regulatorische Dokumente. Kundendaten seien nach Angaben der Gruppe nicht betroffen, wohl aber interne Geschäftsunterlagen.
Abbott widerspricht der Darstellung teilweise: Ein Unternehmenssprecher erklärte, LabCentral sei eine extern gehostete Plattform eines Drittanbieters und enthalte ausschließlich öffentlich zugängliche technische Referenzdokumente zu Produkten. Sensible Kunden- oder Geschäftsdaten seien dort grundsätzlich nicht hinterlegt.
Weder ShinyHunters noch ShadowByt3$ haben bislang tatsächlich Daten veröffentlicht, die angeblich von Abbott stammen. Die Angaben der Gruppen zu Umfang und Inhalt der erbeuteten Daten lassen sich derzeit nicht überprüfen. Abbott zählt mit einem Jahresumsatz von rund 44,3 Milliarden US-Dollar zu den 110 größten Unternehmen der Fortune-500-Liste.
Abbott ist auch hierzulande mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten. Die Abbott GmbH & Co. KG hat ihren deutschen Hauptsitz in Wiesbaden am Max-Planck-Ring, wo laut Unternehmensangaben rund 1.700 Beschäftigte arbeiten, unter anderem im Bereich Diagnostik-Produktion und -Entwicklung sowie in der Betreuung klinischer Studien.
(red)
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