Medizintechnik
Netzhaut-Chip bei AMD stellt begrenzte zentrale Sehfunktion wieder her
Zusammenfassung
Ein Netzhaut-Chip bei AMD kann Menschen mit fortgeschrittener geografischer Atrophie einen Teil des verlorenen zentralen Sehvermögens zurückgeben. In einer klinischen Studie verbesserten 81 Prozent der nach zwölf Monaten untersuchten Teilnehmenden ihre Sehschärfe um mindestens zehn Buchstaben. Seit Juli 2026 besitzt das PRIMA-System eine CE-Kennzeichnung für Europa.
Bei der geografischen Atrophie, einer fortgeschrittenen Form der trockenen […] Der Beitrag Netzhaut-Chip bei AMD stellt begrenzte zentrale Sehfunktion wieder her erschien zuerst auf mednic.de - News aus Medizin, Digital Health & IT.
Im Detail
Ein Netzhaut-Chip bei AMD kann Menschen mit fortgeschrittener geografischer Atrophie einen Teil des verlorenen zentralen Sehvermögens zurückgeben. In einer klinischen Studie verbesserten 81 Prozent der nach zwölf Monaten untersuchten Teilnehmenden ihre Sehschärfe um mindestens zehn Buchstaben. Seit Juli 2026 besitzt das PRIMA-System eine CE-Kennzeichnung für Europa.
Bei der geografischen Atrophie, einer fortgeschrittenen Form der trockenen altersabhängigen Makuladegeneration, sterben Photorezeptoren im Zentrum der Netzhaut ab. Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung inzwischen verlangsamen, bereits verlorene Sehfunktion aber nicht wiederherstellen. Genau hier setzt PRIMA an.
Das System kombiniert ein zwei mal zwei Millimeter großes, rund 30 Mikrometer dünnes Implantat mit 378 photovoltaischen Pixeln und einer speziellen Kamerabrille. Die Brille nimmt Bilder auf und projiziert sie mit unsichtbarem Nahinfrarotlicht auf den unter der Netzhaut platzierten Chip. Dort wird das Licht in elektrische Signale umgewandelt, die noch funktionierende Nervenzellen stimulieren.
Eine Batterie oder Kabelverbindung zum Implantat ist nicht erforderlich.
Netzhaut-Chip bei AMD verbessert Sehschärfe
In der prospektiven, multizentrischen PRIMAvera-Studie erhielten 38 Menschen mit ausgeprägter geografischer Atrophie ein Implantat. 32 von ihnen konnten nach zwölf Monaten ausgewertet werden. 26 Personen – 81 Prozent – verbesserten ihre Sehschärfe um mindestens 0,2 logMAR beziehungsweise zehn ETDRS-Buchstaben. Das entspricht etwa zwei Zeilen auf einer standardisierten Sehtafel.
Im Mittel fiel der Zugewinn noch größer aus. Die Teilnehmenden konnten bei der Nutzung des Systems Helligkeit, Vergrößerung und Kontrast anpassen. Damit ließen sich unter anderem Buchstaben, Zahlen und Wörter erkennen. Die vorhandene natürliche Sehfunktion außerhalb des zentral geschädigten Netzhautbereichs blieb im Durchschnitt erhalten.
Die Technik stellt allerdings kein normales Sehvermögen wieder her. DOG-Präsident Lars-Olof Hattenbach, der selbst vier Teilnehmende der Studie operierte, betont: „Auflösung und Gesichtsfeld sind derzeit noch begrenzt, Farbsehen ist nicht möglich.“ Zudem müssen Patientinnen und Patienten den Umgang mit der künstlich erzeugten Sehfunktion über Monate trainieren.
Implantation ist mit Risiken verbunden
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass der Eingriff nicht trivial ist.
Bei 19 der 38 Teilnehmenden traten insgesamt 26 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf, die mit der Implantation beziehungsweise mit Eingriff und System in Zusammenhang standen. 21 davon ereigneten sich innerhalb der ersten zwei Monate nach der Operation; 20 dieser frühen Ereignisse waren innerhalb von zwei Monaten wieder abgeklungen.
Zu den schweren Komplikationen gehörten unter anderem Netzhautablösung, Makulaforamen und erhöhter Augeninnendruck. Die Studie war zudem klein, nicht randomisiert und hatte keine Kontrollgruppe. Die Ergebnisse belegen damit einen klinischen Nutzen des Systems in der untersuchten Patientengruppe, erlauben aber noch keine Aussage darüber, wie gut sich PRIMA im breiten Versorgungsalltag bewährt.
Versorgung startet erst schrittweise
PRIMA erhielt im Juli 2026 die CE-Kennzeichnung nach der europäischen Medizinprodukteverordnung. Damit darf das System in Europa vermarktet werden. Eine flächendeckende Versorgung folgt daraus jedoch nicht automatisch. Klinische Zentren müssen für Implantation und Rehabilitation aufgebaut werden, zudem sind Erstattungsmodelle noch nicht überall geklärt.
Die ersten kommerziellen Implantationen sind in Deutschland vorgesehen.
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft
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